© 2015

Eine

der

größten

deutschen

Sprachinseln,

der

Schönhengstgau

lag

südlich

des

Sudetengebirges

beiderseits

der

böhmisch-mährischen

Landesgrenze.

Diese

Landschaft

durchzogen

wichtige

Verkehrslinien

von

Osten

und

Süden

nach

Böhmen.

Nur ein schmaler Streifen tschechischer Ortschaften trennte den Schönhengstgau im Norden und Osten vom

geschlossenen deutschen Sprachgebiet. Die etwa 280 km lange Sprachgrenze umfaßte eine Fläche von 123000 ha. In 148

Gemeinden, darunter die sechs Städte Zwittau, Brüsau, Mährisch Trübau, Landskron, Hohenstadt und Müglitz,

lebten im Jahre 1939 über 126000 Einwohner, von denen 84 Prozent deutsch waren.

Die Besiedelung

Funde

belegen,

daß

der

Schönhengstgau

bereits

den

Menschen

der

Jungsteinzeit

als

Siedlungs-

und

Durchgangsland

diente.

Um

2000

v.

Chr.

Lebten

um

Müglitz

Menschen

der

Urnenfelderkultur,

deren

Hügelgräber

(mogil

=

Grabhügel)

aller Wahrscheinlichkeit nach Müglitz den Namen gaben.

Es öffneten vor allem die Täler der Zohsee und der Mährischen Triebe vom Marchbecken her, das Tal der Zwitta vom Brünner Becken her den Weg über das böhmisch-mährische Hügelland. So ist ziemlich sicher, daß spätere Stämme und Völker, die Böhmen und Mähren besiedelten, die keltischen Bojer, Germanen und Slawen, ihren Weg über den Schönhengst genommen haben .

Den

ersten

schriftlichen

Quellen

nach

war

der

Schönhengstgau

um

1000

n.

Chr.

Nur

entlang

der

Steigen

und

Wasserläufe

dünn

besiedelt,

ansonsten

menschenleer.

In

der

zweiten

Hälfte

des

13.

Jahrhunderts

kamen

deutsche

Siedler

aus

dem

Westen

und

Norden,

vor

allem

aus

Mainfranken,

auf

den

Ruf

des

Königs

von

Böhmen,

Pfemsyl

Ottokar

II,

und

des

Olmützer

Bischofs

Bruno

von

Schaumberg

ins

Land.

Sie

rodeten

den

Grenzwald,

bauten

Städte

und

Dörfer.

Im

Auftrag

der

Obrigkeit

und

in

friedvoller

Absicht schufen sie aus grüner Wurzel ein blühendes Bauernland.

Der Schönhengster Mensch

Die

deutschen

Kolonisten

unterscheiden

sich

schon

in

ihrem

Zusammenleben

deutlich

von

den

Slawen.

Hausten

diese

in

ihren

Runddörfern

eng

zusammen,

verwischten

sich

hier

Grenzgemarkungen

leicht

zu

einem

losen

Kollektiv,

so

schieden

sich

die

deutschen

Siedler

in

ihren

Waldhufendörfern

sichtlich

vom

Nachbarn

ab.

Sie

achteten

dessen

Grenzen,

wollten

aber

auch

die

ihren

gewahrt

wissen.

Da

wie

dort

Nachbarschaftshilfe

in

Notfällen,

dort

aber

eher

aus

dem

Instinkt

heraus,

hier

aus

Vernuftsgründen,

was

alsbald

zur

Ausbildung

von

Organisationen

führt.

Diese

Neigung,

sich

der

Umwelt

gegenüber

abzukapseln,

steigert

sich

noch

durch

die

Gefahren,

mit

denen

eine

neue

Umgebung

aufwartet.

Mißtrauen

gegenüber

Fremden

wächst.

Vierkanthöfe

wie

Burgen

verdeutlichen

das

Verlangen,

sich

zu

schützen.

Innerhalb

der

Familie,

die

sich

um

das

schutzbefohlene

Gesinde

erweiterte,

lebten Mundart, Volkslied und Brauchtum über die Jahrhunderte fort.

Das Schönhengster Dorf

Mit

Ausnahme

weniger

Runddörfer,

die

gerade

in

vorhandene

Talkessel

paßten,

wurden

im

Schönhengstgau

überall

Reihendörfer

angelegt.

Der

Grundherr

schloß

mit

dem

eigentlichen

Dorfgründer,

dem

Lokator,

einen

Vertrag

ab.

Dieser

erhielt

ein

entsprechendes

Ausmaß

an

Land

zugewiesen

und

übernahm

die

Verpflichtung,

darauf

deutsche Bauern anzusiedeln.

Der

Bach

mit

seinem

lebensspendenden

Wasser

bildet

die

oft

mehrere

Kilometer

lange

Achse

eines

Schönhengster

Dorfes.

Auf

der

Talhöhe,

zu

beiden

Seiten

des

Baches,

dem

Wasser

nahe,

doch

den

Gefahren

von

Überschwemmungen

entrückt,

stehen

die

Bauernhöfe,

fränkische

Vierkanter.

An

jeden

Hof,

der

von

Obst-

und

Gemüsegärten

umgeben

war,

schloß

sich

in

einem

breiten

Streifen

das

Ackerland

an,

oft

von

einem

sanften

Wiesengrund

unterbrochen.

Der

Wald

schloß

die

Grundstücke

ab

und

bildete

die

Grenze zum Nachbarort.

Der

Lokator,

nach

dessen

Namen

das

Dorf

meist

benannt

wurde,

bekam

als

Lohn

für

seine

schwierige

Arbeit

der

Dorfgründung

einige

Vorrechte

und

wurde

Erbrichter

des

Dorfes.

Ihm

stand

der

dritte

Teil

aus

den

Einnahmen

der

niederen

Gerichtsbarkeit

zu.

Er

erhielt

eine

oder

zwei

Mühlen

und

zwei

oder

drei

Zinsbauern,

die

ihm

bei

der

Feldarbeit

helfen

mußten.

Er

konnte

sich

Handwerker

vom

Schmied

bis

zum

Fleischhauer

halten,

besaß

die

Schankgerechtigkeit

und

mitunter

auch

das

Recht,

Bier

zu

brauen.

Dagegen

mußte

er

zum

Dienst

bei

der

Herrschaft

zu

Roß

oder

zu

Fuß

mit

einer

Armbrust

bewaffnet,

bereit

sein.

Doch

konnte er für diesen Dienst auch einen geeigneten Mann stellen.

In

jeder

gerodeten

Landschaft

wurde

nach

einem

wohlüberlegten

Plan

als

Mittelpunkt

der

Verwaltung

und

des

kirchlichen

Lebens

und

als

Markt

eine

Stadt

angelegt.

Ursprünglich

waren

auch

die

Bürger

der

Städte

Bauern.

Sie

übten

aber

neben

ihrer

Landwirtschaft

noch

ein

Handwerk

oder

ein

Gewerbe

aus.

Oft

waren

den

Städte

zwei

oder

drei

Dörfer

rechtlich

und

wirtschaftlich

angegliedert.

Durch

die

deutsche

Ostsiedlung

wurde

eine

Brücke

zu

den

slawischen

Völkern

des

Ostens

geschlagen.

Es

war

eine

Brücke

des

Friedens,

der

Freiheit,

der

gegenseitigen

Hilfe

und

der

Kultur.

Nicht

durch

das

Schwert

wurde

der

Schönhengstgau

in Besitz genommen, sondern durch die redliche Arbeit, durch Leid und Tränen.

Schönhengster Tracht

Ein

wesentliches

Stück

unserer

alten,

lebendigen

Volkskultur

ist

unsere

Tracht.

Wenn

sie

auch

in

der

Heimat

nicht

mehr

allgemein

getragen

wurde,

so

war

sie

uns

doch

in

manchen

Dörfern,

wie

in

Laubendorf,

erhalten

geblieben.

Unsere

Tracht,

wie

sie

noch

in

der

ersten

Hälfte

des

19.

Jahrhunderts

getragen

wurde,

bestand

bei

den

Männern

aus

einer

Otternfellmütze,

dem

breiten

ledernen

Gürtel

und

hohen

Faltenstiefeln.

Die

Frauen

trugen

den

Bärkittel,

einen

einfachen,

bis

zu

den

halben

Waden

reichenden

Wollrock,

der

an

Bändern

von

den

Schultern

herabhing.

Vor

Jahrhunderten

war

der

Bärkittel

das

Festkleid,

später

wurde

er

als

Unter

gewand

und

Hauskleid

getragen.

Die

Feiertagstracht

bestand

bei

den

Frauen

aus

dem

,,Hembla",

das

über

dem

Hemd

getragen

wurde.

Darüber

trug

die

Frau

das

wollene,

seidene

oder

samtene,

silber

oder

gold-

gestickte

Leibchen

und

den

perlengestickten

,,Bund"

als

blitzenden

Gürtel.

Das

Leibchen

hatte

ein

eigenes

,,Zierbrettchen”,

das

mit

Goldflitter

und

Perlenstickerei

geschmückt

war.

Über

allem

wurde

der

Janker

oder

auch

ein

Umhängetuch

getragen.

Die

Braut

trug

den

roten

Brautmantel

und

die

herrliche

formenreiche

Goldhaube.

Das

blumige

Kopftuch,

der ,,Sax“, wurde sehr kunstgerecht um die Stirn ,,geknüpft" und fiel mit zwei Enden schopfig auf die Schultern hinab.

Zur

älteren

Männertracht

gehörte

im

Schönhengstgau

auch

die

enganliegende

Kniehose

aus

früher

weißem,

später

schwarzem

oder

gelbem

Bocksleder,

die

auf

beiden

Seiten

mit

kleinen

gelben

Quasten

verziert

war.

Die

Strümpfe

waren

weiß,

blau

oder

grau.

Die

Niederschuhe

glänzten

im

Schmuck

großer

silberner

Schnallen.

Die

Weste,

meist

von

derselben

Farbe

wie

die

Hose,

zierten

walnussgroße

Silberknöpfe.

Der

Gürtel,

,,Beigürtel“

genannt,

war

acht

Zoll

breit,

aus

Kielen

von

Pfauenfedern

verfertigt

und

an

den

Rändern

weiß

gestickt.

Das

geblümte

rote

oder

blaue

Halstuch

wurde

unterm

Kinn

zu

einem

Knoten

gebunden.

Am

Hochzeitstage

trug

der

Mann

zum

ersten

Male

den

,,Schwenker",

einen

bis

zum

Boden

reichenden

Rock

aus

blauem,

dunkelgrünen

oder

braunem

Tuch

mit

zwei

Reihen

Knöpfen,

die

bis

zu

den

Knien

zugeknöpft

wurden.

Der

Hut

war

aus

grobem

Filz

und

zuerst

dreieckig.

lm

Winter

trugen

die

Männer

den

Zipfelpelz.

Beim

Wandel

der

Tracht

um

1830

konnten

an

Stelle

der

Schnallenschuhe

auch

Röhrenstiefel

getragen

werden.

Der

Schoßenrock

reichte

1848

noch

bis

zu

den

Knien

und

wurde

später

zum

kurzen

Janker.

Schon

1830

war

der

Hut

ein

mächtiger

Zylinder.

Es

wurden

aber

auch

niedrige

Hüte

und

grüne

Samtkappen

getragen.

Bei

der

Frauentracht

wandelten

sich

die

weißen

Puffärmel,

bis

sie

nicht

mehr

so

bauschig

waren,

dafür

aber

mit

Stickereien

und

Goldborten

reich

verziert

wurden.

Das

Festkleid

aus

großblumiger

Seide

war

mit

dem

weißen

Spitzenkragen

und

den

weiten

Ärmeln

in

großer

Form.

An

gewöhnlichen

Sonntagen

wurde

zu

dem

Kleid

eine

breite

Schürze

getragen.

Die

Strümpfe

waren

rot,

später

auch

weiß,

statt

der

früheren

Pantoffeln

trugen

die

Frauen

Schnallen-

Schuhe.

Nach

1900

brachte

die

Jugendbewegung,

der

Erste

Weltkrieg

und

die

Fremdherrschaft

im

Tschechenstaat

die

Besinnung

auf

die

eigene

Art

und

die

Werte

der

Volkskultur

und

damit

auch

die

Erneuerung

unserer

Tracht.

Es

ist

ein

beglückender

Anblick,

unsere

Jugend

an

den

Schönhengster

Tagen

in

ihrer

schmucken

Tracht

tanzen,

singen

und

spielen

zu

sehen.

Von

der

Volkstracht

führt

ein

gerader

Weg

zur

Volkskunst.

Man

kann

diese

Kunst

nicht

als

Nachahmung

abtun.

Die

Volkskunst

verhalt

sich

zur

hohen

Kunst

wie

die

Mundart

zur

Schriftsprache.

Sie

ist

Quelle

und

Seitenlauf

der

hohen

Kunst.

Ehedem

wurde

die

Tracht

im

Hause

entworfen,

genäht

und

geschmückt.

Es

war

vor

allem

der

Schmuck

der

Tracht,

bei

dem

alle

wertvolle

Nadelarbeit

begann.

Was

mußte

nicht

alles

gestickt

werden?

Die

Spitzenkragen,

die

Hals-

und

Taschentücher,

die

Unterröcke

und

die

Brauttücher.

Die

Stickerinnen

schmückten

mit

den

frischen

Farben und kunstreichen Mustern ihrer Stickereien die Leibchen der Frauen und die Westen der Männer.

Wie

die

Frauen

mit

der

Nadel,

betätigten

sich

die

Männer

mit

dem

Schnitzmesser.

Ihr

Schnitzwerk

kam

den

Zäunen,

Schindeln,Giebeln

und

Glockentürmen

zugute.

Auch

die

Arbeit

unserer

Handwerker,

der

Zimmerleute,

Tischler,

Drechsler,

Schlosser

und

Steinmetze,

kann

vielfach

als

Volkskunst

angesprochen

werden.

Hier

sei

noch

einmal

auf

unsere

Weihnachts-

krippen

verwiesen.

Jede

Krippe

war

der

Ausdruck

der

Persönlichkeit

ihres

Erbauers

und

doch

auch

das

Abbild

unserer

Landschaft.

Schließlich

sind

auch

unsere

Volkstänze,

vom

feierlichen

,,Einzugsstets"

über

die

gemütliche

,,Woaf“

und

das

neckische

,,Rutkatla"

bis

zum

hand-

und

fußfesten

,,Schustertanz"

mit

ihren

frischen

Weisen,

ihrer

zügigen

Musik

und

den

anziehenden

Tanzformen

echte

Volkskunst.

Es

sind

die

Volkstänze,

in

denen

die

Anmut

unserer

Jugend

zur

vollen

Entfaltung

kommt.

Der Schönhengstgau
Schönhengster Heimatmuseum
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Datenschutz Datenschutz Impressum Impressum Besuchen Sie uns Besuchen Sie uns
Schönhengster Gaulied Zwischen March und Adler breitet sich ein reich begnadet Land, Das den Wandrer, der's durchschreitet, Wie ein süßer Zauber bannt. Segen ruht in jedem Tale, Friedlich grünt's auf Berg und Au. Sei gegrüßt viel tausend Male, Trauter deutscher Schönhengstgau! Unsre holde Muttersprache, Unsrer Ahnen biedre Art Werden unter jedem Dache Wie ein köstlich Gut gewahrt. Mannesmut und Frauenwürde Trägt das Volk dort stolz zur Schau. Bleib des Erdengartens Zierde, Trauter deutscher Schönhengstgau! Und die Mädchen wie die Knaben Uns'rer Zukunft Trost und Hort, Sollen tief ins Herz sich graben Ihrer Väter Losungswort: Strahlt das Glück in goldnem Schimmer, Kommen Tage trüb und grau, Treu verbunden, dein für immer, Trauter deutscher Schönhengstgau! Text: Ottokar Kernstock, Melodie: Rudolf Kunerth
Hermersdorf, ein typisches Reihendorf
©K.Klug